Ein Jahr danach…

Das Gertrud-Kurz-Haus am Ischerweg

Liebe Leserinnen und Leser, erinnern Sie sich?

Letztes Jahr, Im Reformationsjahr, wurde am 19. September 2017 in der Stephanskirche mit einer szenischen Lesung und Gesang spielerisch in einem festlichen Akt eine Abstimmung durchgeführt, um dem ehemaligen Pfarrhaus am Ischerweg 11 einen Namen zu geben.

Die Stimmenmehrheit erhielt die Mutter der Flüchtlinge, Gertrud Kurz (1890-1972).

Die Gedenktafel ihr zu Ehren und zur Bezeichnung des Hauses wurde am 13. Juni 2018 am Gertrud-Kurz-Haus angebracht.

Wer war diese Frau?

Eine standhafte Appenzellerin aus bürgerlichem Hause mit Herzensbildung und dezidiertem Auftreten, sie hielt Vorträge, suchte das Gespräch mit einflussreichen Persönlichkeiten und bewies Zivilcourage, um sich der verschärften Grenzschliessung, sprich der Rückweisung von Flüchtlingen, der Landesregierung zu widersetzen, bis sich die Verantwortlichen im Jahr 1942 überzeugen liessen, die Grenzen teilweise wieder zu öffnen. Gertrud Kurz wendete sich den Behörden direkt zu, argumentierte konkret und praxisbezogen, appellierte an deren Menschlichkeit. Sie rettete damit viele verzweifelte Menschen vor einer Abschiebung nach Nazideutschland. Nach dem Krieg setzte sie ihre Friedensarbeit fort, gründete den Christlichen Friedensdienst (cfd) und leitete ihn bis zu ihrem Lebensende.

Als erster Frau der Schweiz wurde Gertrud Kurz im Jahre 1958 die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Zürich verliehen. 1965 konnte sie aus den Händen der Königin der Niederlande den Albert Schweitzer-Preis entgegennehmen. 1992 wurde eine Gedenkmünze zu ihren Ehren herausgegeben, s. Stiftung Gertrud Kurz (www.gertrudkurz.ch).

Wie haben wir es heute mit mutig und solidarisch sein? Ihre Mitmenschlichkeit und vorgelebte Solidarität kann und sollte uns weiterhin Beispiel sein. Schön, dass ihr Name nun mit der Kirchgemeinde verbunden ist.

Betty Monnier

Von |20.09.2018|Kategorien: Allgemein, Frauen & Gleichstellung|