Das Tandem für Begegnungen mit Geflüchteten

Das Begegnungstandem ist offen für Hiesige und Geflüchtete, unabhängig von Religion, politischer Orientierung oder Aufenthaltsstatus.

Machst Du mit? Möchtest Du Dich für etwas Neues engagieren?

Ab Mai 2020 wird das Projekt von Jürg Walker weiterbegleitet und damit in der reformierten Kirchgemeinde Biel fest verankert – vielleicht haben Sie Interesse, im Sommer ein Tandem zu fahren?
Dann melden Sie sich bei Jürg Walker, er informiert Sie gerne über die Möglichkeiten ab dem Sommer: juerg.walker@ref-bielbienne.ch

Beim Begegnungstandem können Menschen mitmachen, die an Begegnungen auf Augenhöhe mit Menschen unterschiedlicher Prägungen interessiert sind. d.h. einerseits Hiesige (Locals) aus Biel und Umgebung und andererseits Newcomer (geflüchtete NeuzuzügerInnen). Mit den Interessierten werden Gespräche geführt und individuelle Zweierteams – ‹Tandems› gebildet. Die Newcomers und die Locals bereichern Alltag und Freizeit mit gemeinsamen Aktivitäten; z.B. beim Spracherwerb oder beim Kennenlernen der Region. Newcomers teilen ihre Interessen und Fähigkeiten mit den Freiwilligen; z.B. Vermittlung der eigenen Sprache und Hintergrundwissen des eigenen Landes. Newcomers sollen bereits Basiskenntnisse in Deutsch mitbringen. Die Freiwilligen investieren 4 bis 8 Stunden pro Monat für das Tandemtreffen. Es gab bis April 2020 insgesamt 5 Tandemrunden, jede dauert sechs Monate.

Das Projekt „Auf Augenhöhe – Das Bieler Begegnungstandem“ wurde während dreier Jahre durch den Arbeitskreis für Zeitfragen (AfZ) der reformierten Kirchgemeinde Biel geführt. Finanziert wurde das Pilotprojekt durch die Fondia-Stiftung, die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und die deutschsprachige reformierte Kirchgemeinde Biel.

Aysel Korkmaz war Projektkoordinatorin in der Pilotphase. Sie betreute die Tandems individuell und organisierte Gruppentreffen für Erfahrungsaustausch und Dialog. Ende April 2020 verabschiedete sie sich vom Tandemprojekt mit einer Videobotschaft und untenstehendem Text.

Als Koordinatorin vom Projekt «Auf Augenhöhe – Das Bieler Begegnungstandem» möchte ich mich hier vom Tandem und von den BielerInnen verabschieden. Aufgrund meines Jobs in Bern und meiner Teilselbständigkeit im Migrationsbereich bleibt mir leider keine Zeit, mich weiterhin beim Tandem auf Augenhöhe zu engagieren. Die Koordination des Projektes übernimmt neu der für die Freiwilligenarbeit zuständige Mitarbeiter der Kirchgemeinde Biel, Jürg Walker.

Das Angebot wird also von der Kirchgemeinde Biel als Regelangebot weitergeführt. Hoffentlich werden wir uns so bald wie möglich von social distancing verabschieden und uns wieder mit Freude und Interesse ohne Bedenken begegnen können.

Eindrückliche Geschichten

Ich möchte an dieser Stelle einige meiner Eindrücke in Worte fassen, die mich während dreier eindrucksvoller Jahre beeinflussten und mich viel über Interaktion mit Menschen lehrten.

Mich bewegten vor allem die Geschichten von zwei jungen geflüchteten Frauen, die je zwei Kinder in ihrem Ursprungsland zurücklassen mussten, Geschichten, die ich nie vergessen werde. Eine dieser Frauen informierte sich mit unermüdlicher Mühe durch ihre Landsleute aus einem Nachbarland, liess ihre Bekannten die Kinder besuchen, um wenigstens durch Fotos zu sehen, wie ihre Kinder aufwachsen. Ich wagte aus Respekt vor der Tragödie nicht, Fragen zu diesen Geschichten zu stellen, weil ich ahnte, wie schwierig ist es, damit umzugehen und darüber zu reden. Umso mehr staunte ich, wie die beiden Frauen sich mit allen Mitteln bemühten, hier in diesem Land eine Stelle zu finden, damit sie überhaupt die Möglichkeit haben, ihre Kinder hierher zu holen. Mittlerweile haben sie zum Glück eine Arbeit gefunden und kämpfen dafür, dass sie ihre Kinder irgendwann wiedersehen können. Die Kinder sind noch nicht da, aber ihre Hoffnungen sind gross und ihr Kampf ist unerschütterlich.

Weiterhin beindruckte mich das Engagement von jungen berufstätigen Locals, die zwar viel zu tun hatten, aber trotzdem ganz bewusst für freiwillige Einsätze Zeit einplanten. Es fiel mir auf, wie sich diese wunderbaren Menschen mit Herzblut für eine gerechte Welt und für Solidarität einsetzen. Ohne diese Menschen wären die geflüchteten Menschen noch einsamer und isolierter als sonst. Das erweckte bei mir Freude und Hoffnung für eine «Wir-Gesellschaft». Ich bin vor allem sehr stolz, dass viele junge Menschen sich im Tandem auf Augenhöhe engagierten und sich weiterhin engagieren wollen.

Danke

Trotz allen schöne Begegnungen ist es mir wichtig zu erwähnen, wie wenig in unserer Gesellschaft, auch in Biel Geflüchtete und Locals sich begegnen, wie neu und unerfahren die Beziehungen zueinander sind. Daher denke ich, all die Angebote wie beispielsweise eben das Bieler Tandem auf Augenhöhe, die sich aktiv um die soziale Interaktion bemühen, sind erste Schritte aufeinander zu, aber sie stecken noch in den Kinderschuhen. Deshalb freue ich mich sehr, dass die Kirchgemeinde Biel den Entscheid gefasst hat, das Tandem auf Augenhöhe als Angebot weiterzuführen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei all den wunderbaren Menschen, die sich für das Tandem auf Augenhöhe interessierten und einander Zeit und Freude schenkten und sich weiterhin füreinander mit Freude engagieren.

Es lebe die Solidarität!

Aysel Korkmaz
Ehemalige Tandemkoordinatorin