Ich kann mich mit meinem Geburtsnamen nicht identifizieren, da er meine Geschlechtswahrheit nicht ausdrückt, ich bin eine nicht-binäre trans Person. So habe ich mir einen neuen passenden ausgesucht, einen, der mich nicht explizit auf Weiblichkeit oder Männlichkeit festlegt. Am 10. April 2022 bekam ich in der offenen Kirche Elisabethen in Basel für den diesen selbstgewählten Namen einen Segen. Zusammen mit sechs anderen trans Personen erhielt ich eine Namenskerze und eine Urkunde für den neuen Namen. Es war eine sehr berührende und besondere Feier, wie es sie im deutschsprachigen Raum vorher noch nie gab. Dort zu stehen und Gutes für diesen Namen zugesagt zu bekommen, war ein sehr ermutigendes Gefühl. Ich konnte meinen Namen hören, er wurde durch die anwesende Gemeinde bezeugt und bekräftigt. Gesehen und akzeptiert zu werden, ist für trans Personen wie mich wichtig, denn unser Weg ist nicht immer leicht. Oft bedeutet unser Weg auch Kampf und erfordert Mut.

Von einem solchen Kampf erzählt der Bibeltext, den ich für die Predigt, welche ich anlässlich dieses Gottesdienstes halten durfte, ausgewählt habe. Es ist die Geschichte Jakobs, des Zweitgeborenen in einer patriarchalen Kultur, in welcher nur Erstgeborene Anrecht auf Segen hatten. Jakob ist der nicht-Gesegnete, durch ihn und um ihn herum entstehen Lügen und Intrigen. Er kann seine Vulnerabilität nicht ertragen, er versucht sie zu verleugnen. Er kämpft mit fragwürdigen Mitteln, bis er am Fluss Jabboq der Konfrontation mit seinem Lebensdrama nicht mehr ausweichen kann. Um hinüberzukommen, muss er mit einer dunklen Gestalt kämpfen. Er kämpft die ganze Nacht, bis es hellt wird. Die dunkle Gestalt, mit der er ringt, kann ihn nicht besiegen. Er trägt aber eine Wunde davon, er erlebt sich als verletzlich. Sein Gegner ohne Namen (Gott?) segnet ihn und gibt ihm einen neuen Namen: Israel, „Gottesstreiter.“

Die Geschichte Jakobs ist eine Transitionsgeschichte. Auch wenn es nicht ausdrücklich um Geschlecht geht, können sich in dieser Geschichte viele trans Personen wiedererkennen.

Der Name Israel drückt die innere Wahrheit seines Trägers aus. Er kann jetzt authentisch als Gesegneter leben. Verwundet kann er mit Gott und für Gott streiten.

Ich verstehe den Segen, den ich in der offenen Kirche Elisabethen bekommen habe, auch als Verpflichtung. Wie Israel möchte ich mich für „Gott“ einsetzen. Gott hat viele Namen. Einer davon ist „Gerechtigkeit“. Die Verpflichtung besteht darin, sich für ein gesegnetes und gelingendes Leben einzusetzen, so dass möglichst viele es wagen, authentisch und mutig zu leben. Der Kampf Jakobs ist der Kampf jedes Menschen, nicht nur der von trans Personen. Verwundete Gottesstreiter:innen sind authentisch, stark und kampferprobt.

ELISHA SCHNEIDER

Die erste Transgender-Taufe in Basel auf srf.ch