Buchtipp
Wem gehört der Schnee?
Eine Ringparabel von Antonie Schneider
In der diesjährigen Woche der Religionen Anfang November bekamen wir in stimmungsvoller Atmosphäre in der Kirche Nidau eine wunderbare Geschichte über Freundschaft, Streit und die Frage nach Gott erzählt.
In ihrer Geschichte schickt Antonie Schneider drei Kinder – das Mädchen Mira und die Jungen Rafi und Samir – auf eine schmale verschneite Strasse in Jerusalem. Dort ziehen die Kinder erst einmal Grenzen: Sie häufen innerhalb abgetrennter Areale ihren Schnee auf, der dann sorgsam bewacht wird. Über die Frage, wem der Schnee denn gehört, geraten die drei in einen erbitterten Streit. Einig sind sich die drei in einem Grundsatz: Der Schnee solle dem Kind ganz gehören, dessen Gott ihn auch hat schneien lassen. Denn ja, die drei Kinder gehören den drei abrahamitischen Religionen an.
Die Entscheidung in dieser Frage erhoffen sich die Kinder von ihren religiösen Autoritäten. Samir eilt zum Imam, Mira zum Priester und Rafi zum Rabbi. Doch als jedes Kind seine Schneeprobe der Autorität zur Begutachtung vorzeigen möchte, hat sich dieser bereits verflüssigt, ist nichts anderes mehr als ein tropfendes Nass aus einer Hand, einer Mütze oder einem Rucksack …
Antonie Schneider, die seit vielen Jahren religiöse Themen für Kinder verständlich macht, erzählt mit grosser Sorgfalt und Einfühlsamkeit eine Ringparabel für Kinder. Ihr Plädoyer für Verständnis, Toleranz und Frieden illustriert Pei-Yu Chang sehr passend und entführt uns mit ihrer aussergewöhnlichen Beobachtungsgabe in ein multikulturelles Jerusalem.
(Einziger Wehmutstropfen ist die rein männliche Besetzung der religiösen Autoritäten, das lässt sich im Erzählen aber leicht ändern.)
Ein Buch für alle neugierigen Menschen ab 5 Jahren!
© Buchcover: NordSüd Verlag
Wem gehört der Schnee?