Für junge Frauen und Mädchen, die von akuter Gewalt betroffen sind, wird es ab Juni 2026 einen Zufluchtsort geben, der speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen ist.
Bislang gibt es in der Schweiz gerade mal 7 Plätze für Mädchen und junge Frauen, die akut von Gewalt bedroht sind: Seit 30 Jahren erhalten 14- bis 20-jährige junge Frauen in Gewalt- und Krisensituationen im Mädchenhaus Zürich Schutz und professionelle Begleitung. Eine Studie, die 2022 im Auftrag des Eidgenössischen Büros für Gleichstellung (EBG) durchgeführt wurde, zeigt: In der ganzen Schweiz werden bis zu 40 zusätzliche Schutzplätze mit spezialisierter Betreuung für Mädchen benötigt.
Der Verein MädchenHousepourFilles setzt sich bereits seit 15 Jahren für ein zweisprachiges Mädchenhauses in Biel/Bienne ein. 2018 führte er einen achtmonatigen, spendenfinanzierten Testbetrieb durch, der den Bedarf einer speziellen Nothilfeinstitution für Mädchen und jung Frauen belegte. Der daraus resultierende positive Entscheid des Kantons für ein derartiges Projekt wurde dann allerdings auf Eis gelegt, weil ein Grossratsbeschluss die vorgängige Erarbeitung einer umfassenden kantonalen Opferhilfestrategie forderte.
Acht Jahre nach dem hoffnungsvollen Start ist es nun aber endlich soweit. Der Kanton Bern hat den Betrieb vorerst als dreijähriges Pilotprojekt bewilligt. In dieser Zeit gilt es, Erfahrungen zu sammeln und die Rahmenbedingungen für den Betrieb zu optimieren.
Die Schweiz ist als Vertragsstaat der Istanbul-Konvention seit 2018 dazu verpflichtet, Frauen und minderjährige Mädchen vor allen Formen von Gewalt zu schützen. Die Eröffnung des Mädchenhauses Biel/Bienne ist ein konkreter Beitrag zur Umsetzung dieser Verpflichtung – und ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu mehr Sicherheit für Mädchen und junge Frauen.